Fardella: die Steine erzählen

von Manuela Coringrato und Antonio Appella

Es ist schwierig, die urbanistische Entwicklung des um Ende des 17. Jahrhunderts entstandenen Dorfes nachzuvollziehen, denn es fehlen kartografische Quellen. Doch sicherlich wurde die Ausrichtung des Ortes von Beginn an von der landwirtschaftlichen Tätigkeit seiner Bevölkerung und der Höhenstruktur der Landschaft bestimmt.

Le scalinate

Da sich auf der Südseite ein Hügel befindet, ein terrassenförmiger Boden, auf den eine Zone mit starken Höhenunterschieden folgt, was das Bauen dort schwierig gestaltet hätte, entwickelte sich der Ort anfangs von der Gegend der Stalle aus, die mit weiter Aussicht auf das Tal des Serrapotamo direkt auf die sogenannten Chiane blickt, bis hin zur Gegend um die Mutterkirche, die den Bezugspunkt für die neue Siedlung darstellte.

Die Kirche wurde mitten auf die Hochebene gebaut und beeinflusste so den gesamten Baukomplex mit der Piazza Municipio, die bald schon zum politischen und religiösen Zentrum wurde, mit den Häusern der Familien Guerriero (wo in der Nachkriegszeit das Gemeindehaus eingerichtet wurde), De Salvo und De Donato, also der Familien, die das Verwaltungsleben leiteten. Genau hier wurde 1893 die Apotheke gebaut, von der man schrieb, sie sei „eine der elegantesten der Provinz“. Sie gehörte dem Chemiker und Apotheker Domenico De Salvo und hatte ein Labor und alles, was man brauchte, um Analysen durchzuführen, auch ein Mikroskop. Erst in den 1950er Jahren erhielt der Platz seine heutige Form, als nämlich der Kindergarten der Kirchengemeinde gebaut wurde, der dann auch Waisenhaus wurde. Dies war das Werk der Eheleute Ramaglia, die nach Amerika ausgewandert waren. Mit dem religiösen Leben verbunden ist auch das Pfarrhaus in der Via Umberto I, das in der Nachkriegszeit gebaut wurde, um den Priestern, die in dieser Pfarrgemeinde Dienst leisteten, eine würdige Unterkunft zu bieten.

Von der Kirche gingen eine Reihe von Gassen und Treppen ab, die Hauptschlagadern des ersten Siedlungsbereiches im Nordosten. Gleichzeitig schritt die Entwicklung auch in Richtung Nordwest voran, mit den Häusern der Mazziotta und Costanza sowie anderen kleinen zweistockigen Wohnhäusern, die eine Außentreppe hatten, angepasst an die Bedürfnisse des Bauernlebens.

Der sumpfige und feuchte Boden ermöglichte es, über Zisternen in den Gärten oder Häusern Wasser zu erhalten. In der Tat gibt es den Ausspruch „Wo man in Fardella auch gräbt, findet man Wasser“. Der Legende nach fiel der Patriot Francesco Leo di Chiaromonte in eine dieser Zisternen, als er des Nachts mit seinem Schwager Giovanni Costanza fliehen musste, und blieb wie durch ein Wunder unverletzt.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kommt es zu einer definitiveren Ortsentwicklung, gekennzeichnet durch die Aufteilung des Stadtbildes in Contrade oder Straßen, die, wie aus offiziellen Urkunden hervorgeht, folgende Namen trugen: Sotto La Chiesa, Piazza, Fontana, Mesole, Stalle, Piano, Calvario. Das gesamte Gebiet südöstlich und südwestlich der Kirche behielt bis 1857 seinen bäuerlichen Charakter. Dann wurde die Strada Statale 104 Sapri-Ionio gebaut, eine für die weitere Entwicklung des Ortes wichtige Verbindung. Ende des 19. Jahrhunderts folgte der Corso Vittorio Emanuele, noch heute die wichtigste Straße für weitere Ausdehnung, vor allem im heutigen Gebiet Serretta und darüber hinaus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Straßen zwar relativ breit, aber noch nicht gepflastert, sondern nur mit Schotter aus demselben Stein bedeckt, aus dem auch die Gebäude bestanden, nämlich dem lokalen, murgigna genannten Kalkstein, der in der Gegend gebrochen wurde. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und vor allem in den 1970er Jahren entwickelte sich der Ort entlang der heutigen Via Domenico De Salvo weiter, in dem Viertel, das heute Pita genannt wird und in der Vergangenheit eben jener Familie gehörte. Bis vor noch nicht so langer Zeit fand dort der Jahrmarkt zum Fest der Madonna dell’Assunta statt.

Die zentrale Position, die der Ort durch den Bau der Straße Sapri-Ionio erlangt hatte, verlor er im Zuge gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen und wegen des Baus der Strada Statale Sinnica wieder. Diese brachte nun den Orten im Tal des Sinni Fortschritt, zum Nachteil der auf den Hügeln gelegenen Dörfer.

Fardella mappa monumenti

Mutterkirche

Die ersten Zeugnisse zur Mutterkirche gehen auf den Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. Zunächst hatte man wahrscheinlich eine dem Schutzpatron Sant’ Antonio geweihte Kapelle gebaut, um sich dann dem Bau des heutigen Gebäudes zu widmen, das 1912 noch keine Orgel besaß. Diese wurde dann über dem Eingang auf der Fassadenrückseite installiert. Heute ist nicht viel von dem ursprünglichen Zustand der Kirche erhalten geblieben, denn sie wurde zwei Mal wieder komplett aufgebaut, nachdem Grundwasserbewegungen im Erdreich sie zum Einsturz gebracht hatten. Es soll vor allem an den Wiederaufbau zu Beginn des Jahrhunderts erinnert werden, durchgeführt von frommen Gemeindemitgliedern, die Erzpriester Francesco Rossi sensibilisiert hatte.

Bis zum Beginn des Jahrhunderts war der Kirchenbau zweischiffig. Es wurden zunächst das Mittelschiff und das rechte Seitenschiff gebaut, und die Fassade war ganz anders als heute. Da nämlich das rechte Seitenschiff nicht weiter zurück gebaut wurde als das Mittelschiff, gab es eine einzige gemeinsame Fassade, mit sechs Lisenen und einem Blumenmotiv und einer Quadratur im Hauptteil; der Teil des Seitenschiffs setzte das Fries mit seinen Triglyphen und Metopen fort, doch heute existieren sie nicht mehr. Außerdem befand sich über dem Nebeneingang ein großes Rundfenster.

Wie es Brauch war, wurden auch in dieser Kirche die Toten bestattet. In den Seitenschiffen lagen die privaten Gräber der reichen Familien, im Mittelschiff das „Massengrab“ und unter dem Presbyterium die Gräber der Priester und Geweihten. So wurde es bis 1884 gehandhabt, als nach einem Entwurf des Ingenieurs Pisani aus Lauria der Friedhof angelegt wurde.

Der Kirchenbau besitzt einen Altarraum ohne Apsis, der nach Nordwesten ausgerichtet ist. Der Eingang liegt im Südosten und führt nicht auf den heutigen Hauptplatz, die Piazza Emanuele Gianturco, sondern auf die Piazza Municipio, die früher das Zentrum des religiösen, politischen und wirtschaftlichen Lebens des Ortes war.

Die Fassade im neoklassischen Stil besteht aus zwei übereinander liegenden Ordnungen, die von einem dreieckigen Tympanon abgeschlossen werden; die untere Ordnung besitzt sechs Lisenen mit Basis und Kapitell, die auf einem Sockel ruhen; über den dorischen Kapitellen liegt wiederum ein Gebälk aus Architrav, Fries und Kranzgesims, das stark an die Architektur der griechischen Tempel angelehnt ist, vor allem wegen der Motive der Triglyphen und Metopen auf dem Fries. In den Metopen sind abwechselnd Margeriten und Lilien abgebildet, was einen starken Bezug zum Schutzpatron darstellt, der in der Heiligenikonografie immer mit Lilien gezeigt wird. Die obere Ordnung besteht aus vier Lisenen mit ionischen Kapitellen und darüber einem Gebälk mit einem Engel in der Mitte des Frieses, gefolgt von einem Fenster in der Mitte.

Besondere Beachtung verdient das Portal aus lokalem Stein mit Spiralmotiven im unteren Teil, Lilien im oberen und einem leicht vorspringenden Scheitelstein. Die Inschrift darauf lautet „1823 Nel Sindacato de S.r Pietro Donato“, wobei es sich wahrscheinlich um das Jahr handelt, in dem das Portal errichtet wurde.

Die Seitenwände der Kirche wiederholen das Motiv der Lisenen auf einem Sockel und des Gebälks von der Fassade; der Fries ist jedoch schlichter, nämlich einfach glatt.

Im Lauf der Jahre wurde der Innenraum der Kirche mit jedem Wiederaufbau stark verändert. Heute ist er trotz der letzten Restaurierungsarbeiten nicht komplett, denn die Altäre in den Seitenschiffen und das Geländer, welches den Altarraum vom Kirchenschiff trennte, wurden nicht wieder aufgebaut.

Der heutige Grundriss auf einem lateinischen Kreuz hat nun drei Kirchenschiffe, die durch große Säulen getrennt werden, über denen Lisenen ohne komplette Ordnung angebracht sind. Das Gebälk dient als Kapitell, und das Gesims verläuft das ganze Mittelschiff entlang und dann im Querschiff, wo es in den kurzen Armen kurvig fortfährt bis zum Presbyterium. Das Gebälk erfährt in den kurzen Armen des Querschiffes und im hinteren Teil des Altarraums eine merkwürdige Unterbrechung, die mit Neoklassik nichts zu tun hat und die Übergänge sehr ungeschickt aussehen lässt.

Der Altarraum auf rechteckigem Grundriss ist ohne Apsis und trägt auf der hinteren Wand zwei Lisenen, die auf einem hohen Sockel fußen und in dorischen Kapitellen enden, die merkwürdigerweise kein Sims tragen.

Das Mittelschiff und der Altarraum sind über einen großen Rundbogen miteinander verbunden und haben eine flache Decke; die Bevölkerung erinnert sich, dass dies einmal ein Tonnengewölbe war, doch diese wurde wohl bei den letzten Wiederaufbauten geschlossen. Die kurzen Seiten des Querschiffs dagegen haben eine Gewölbedecke mit Tonnengewölbe; die Seitenschiffe weisen unterschiedliche Kreuzrippengewölbe auf; das rechte mit Quadraturen und vorstehenden Rippen und einer Blume als Schlussstein, während das Gewölbe im linken Seitenschiff schlicht gestaltet ist.

Am Eingang ist an der rechten Wand ein Weihwasserbecken angebracht, das aus dem 18. Jahrhundert stammt. Es ist mit Eierstabmustern dekoriert und weist in der Mitte einen Engel auf, der gemeinsam mit zwei spiralig geformten Elementen das Becken zu tragen scheint. Wohl von einem Weihwasserbecken oder einem Taufbecken stammen zwei große Fragmente, die nun im Lager des kirchlichen Kindergartens aufbewahrt werden und von Sebaste auf die longobardische Epoche datiert wurden. Es ist jedoch auch nicht ausgeschlossen, dass sie Teil der im 18. Jahrhundert entstandenen Dekoration sind.

Die Wände waren in der Vergangenheit wahrscheinlich alle mit Fresken bemalt, doch heute trägt nur ein Teil im rechten Querschiff, das dem hl. Antonius gewidmet ist, noch Freskenmalereien. Es handelt sich um die Nische, in welcher seine Statue stand. Sie ist von Stuckvorhängen umrahmt und im Gewölbebogen bemalt, mit einem Fresko, das die Erscheinung des Jesuskindes vor dem hl. Antonius zeigt, umgeben von Putten, Blumengirlanden und falschen Fenstern.

Der in den sechziger Jahren entstandene Altar besteht aus verschiedenfarbigem Marmor und einem von vier Marmorsäulen getragenen Baldachin mit einer Kuppel, die mit goldfarbenen Mosaiksteinen bestückt ist.

Vom Altarraum aus gelangt man rechter Hand zum Glockenturm, der mit Hilfe von Spenden der nach Amerika Ausgewanderten gebaut wurde, und zwar vor 1925, wie die Inschrift belegt, die sich unter dem Bild des Schutzpatrons befindet („Anno Santo 1925“). Der Turm beginnt auf quadratischem Grundriss ohne Ordnung und trägt an der Hauptfassade im ersten Teil das Kriegerdenkmal. Dann beginnt der zweite Stock, ebenfalls quadratisch, mit abgerundeten Ecken, Lisenen mit dorischen Kapitellen und darüber einer anomalen Verlängerung der Lisenen anstatt eines Architravs. An der zum Hauptplatz gerichteten Fassade befindet sich ein Bild auf Keramik aus dem Jahr 1925, das den Schutzheiligen zeigt. Die Fassade hat rechts und links zwei Bogenfenster zur Beleuchtung des Treppenaufgangs. Im dritten Stock, der einen sechseckigen Grundriss aufweist, sind die Fassaden quadratisch gerahmt und von einem Gebälk abgeschlossen; hier dominiert ein Spiel von voll und leer, denn es wechseln sich eine geschlossene Fassade, auf der sich die Kirchturmuhr befindet, und eine offene Fassade ab, an der man durch einen Bogen die Glocke oder die kleineren Glocken sehen kann. Ganz oben befindet sich eine Art Tambour, der vom Dach gedeckt ist.

Palazzo De Salvo

Dieser Palast aus dem 18. Jahrhundert steht an der antiken Piazza Municipio und nimmt den ganzen Häuserblock zwischen der Via Macchiavelli und der Via Pellegrino ein.

In der Bevölkerung erzählt man, dort habe früher ein noch größerer Palast gestanden, ein Symbol enormen Reichtums. So existiert noch die Legende, nach der bei einem Brand, der 1868 „aufgrund der Unachtsamkeit eines Familienmitgliedes, das eine brennende Pfeife im Stall vergaß“ ausbrach, sogar „geschmolzenes Gold und Silber von den Wänden tropfte“. Weiter heißt es, „die Flammen machten erst vor dem Bild der Assunta halt“, das sich in der kleinen Kapelle befand. Dieses Ereignis wurde auch im Kirchenregister festgehalten: „Wir halten für zukünftige Erinnerung fest, dass in einem im November 1868 durch einen Unfall verursachten Brand im Hause des Herrn Ökonom Dr. Carmine de Salvo alle vor dieser Zeit entstandenen Listen der Eheschließungen sowie alle weiteren Register der Gemeinde zerstört wurden“.

Der Palast, der keinen Hof besitzt, besteht aus Erdgeschoß, Beletage und Untergeschoß, das auf die Via Pellegrino geht und in dem sich Keller und Ställe befanden. Laut mündlicher Überlieferung ging dieses Untergeschoß bis zu den Loggien und schloss diese ein.

Man betritt das Gebäude durch ein steinernes Portal, das von einer mit einem Rahmen abgeschlossenen Quadratur umgeben ist. Der Scheitelstein des Bogens zeigt Pflanzenelemente, die mit einem Pinienzapfen abschließen, und in der Quadratur sind in den Ecken zwei Füllhörner, glückbringende Symbole des Überflusses, und eine Dekoration mit Pflanzenelementen im Fries; oben, außerhalb der Quadratur, sitzt das Wappen der Familie mit zwei gekreuzten Ankern, einem neunzackigen Stern und dem Motto „His suffulta“.

Rechts neben dem Hauptportal liegt ein zweiter, ebenfalls schön gearbeiteter Eingang mit einer gekrümmten Umrahmung, die auf zwei Konsolen fußt. Er führt direkt in die kleine Privatkapelle der Vergine Assunta. In ihrem Inneren befinden sich ein Weihwasserbecken aus dem 18. Jahrhundert und eine sehr alte hölzerne Figur der Jungfrau Maria, die bis vor wenigen Jahren noch zusammen mit ihrem Goldschmuck in der Kapelle aufbewahrt wurde. Heute wird sie immer noch am 15. August zur Prozession an Mariä Himmelfahrt durch das Dorf getragen. Das religiöse Element ist im gesamten Palast dominant, und das ist nicht verwunderlich, denn aus der Familie ging eine Reihe von Priestern hervor, von denen einige wichtige Positionen bekleideten, wie Monsignore Francesco Paolo, der Bischof von Nusco (AV) wurde und von Papst Pius IX. den Titel eines Päpstlichen Ehrenprälats verliehen bekam, oder Don Nicola, Erzdiakon von Tursi und Rektor des Priesterseminars von Chiaromonte.

Auch auf der linken Seite befindet sich ein weiterer Eingang; er führt zu den Diensträumen.

Über eine absteigende Treppe gelangt man auf einen kleinen Platz in der Via Fratelli Bandiera, wo das Gebäude einen weiteren großen Raum mit einem Rundbogenportal in der Mitte besitzt, über dem sich eine Terrasse befindet. Hier beginnen die Ställe.

Die einzigen Dekorationen neben denen an der Hauptfassade sind die Geländer der Balkone der Beletage, die auf die Via Pellegrino gehen und von denen man einen Ausblick bis nach Chiaromonte genießt. Diese Balkone weisen im Gesims eine leichte Kurvung und Vorsprünge in der Mitte auf, während die darunter liegenden Balkone schlicht gestaltet sind.

Die Innenräume sind in Zimmer und Säle aufgeteilt, die ohne Flure direkt ineinander übergehen. Bis vor einiger Zeit wurden dort religiöse Gemälde von San Gennaro und der Muttergottes sowie Familienportraits aufbewahrt. Im zweiten Stock befand sich auf Höhe des Hauptportals der berühmte „Rote Saal“, der auch Galerie genannt wurde und über eine schmiedeeiserne Treppe mit Geländer erreicht wurde. Dort empfing die Familie Gäste und gab am Feiertag von Mariä Himmelfahrt ein großes Fest.

Der Palast wurde wahrscheinlich im Verlauf der Jahre mehrmals umgebaut, so dass seine Außenseite kein klares Bild mehr bietet; Anfang der 1990er Jahre wurde er unter Denkmalschutz gestellt und heute ist er leider wegen der letzten Erdbeben, die große Schäden anrichteten, nicht mehr zugänglich.

Palazzo Donato

Der Palazzo Donato wurde, wahrscheinlich im Jahr 1849, von einer der wohlhabenden Familien des Ortes errichtet oder wieder aufgebaut, wie aus dem Datum an der Treppe zur Beletage hervorgeht.

Palazzo De Donato

Das Gebäude besitzt einen Innenhof, ein Untergeschoß und zwei Stockwerke. Wie in allen herrschaftlichen Häusern lagen im Unter- und Erdgeschoß die Lager für Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte, während sich im ersten Stock die Wohnräume befanden. Interessant sind das Untergeschoß, in dem sich heute noch eine Ölmühle mit allen Originalteilen an ihrem ursprünglichen Platz befindet, und die Lager im Erdgeschoß, in die durch interessante Rundfenster Licht fällt und in denen ebenfalls noch die ursprünglichen Strukturen erhalten sind, nämlich strukturverstärkende Gewölbebogen.

In den Hof gelangt man durch ein monumentales Portal in Stein aus Valsinni, mit dem Wappen der Familie im Scheitelstein und einer Verzierung aus Pflanzenmotiven darüber. Im unteren Teil sieht man Blumenmuster, die aber von Wind und Wetter schon ziemlich mitgenommen wurden. Auf dem Holztor kann man Masken mit Fantasietieren bewundern, die Unheil abwehren sollten.

Der Hof ist nicht besonders groß, doch sehr eindrucksvoll. Die Hauptfassade besteht im ersten Stock aus Rundbögen, die auf verzierten Pfeilern ruhen, mit Lisenen, die die Konsole tragen, über welcher sich die Terrasse befindet. Diese Ordnung ist nicht in perfekt neoklassischem Stil gehalten und zeigt doch den Wunsch nach besonderen architektonischen Elementen, welche den Reichtum der Familie ausdrücken.

Die Fenster, die auf den Hof gehen, sind oben leicht gebogen und haben Fensterbretter mit Zierleisten, bei denen sich immer gerade Kanten und Hohlkehlen abwechseln.

Die Gebäude links und rechts neben den Bögen bestehen aus zwei Stockwerken; auf Höhe des zweiten Stocks erkennt man ein Gesims, das die drei umgebenden Seiten entlang läuft. Ein Bandgesims verbindet zuletzt die Fensterbretter und hebt die beiden Stockwerke hervor. Über eine Außentreppe gelangt man unter die Bögen und zum Haupteingang des Palastes.

Der Innenraum ist typisch für Paläste aus dem 19. Jahrhundert gestaltet, mit ineinander übergehenden Räumen. Doch über die Jahre wurden auch Veränderungen angebracht, so dass nun im nordwestlichen Flügel ein Flur existiert, der den Raum besser aufteilte und eher den Bedürfnissen einer Gesellschaft entsprach, die nun andere Sitten und Bräuche hatte. Am Ende des Korridors befindet sich eine kleine Rundbogennische, in der wahrscheinlich die Statue des Schutzheiligen stand, welchen die Familie verehrte. In dieser Familie gab es mehrere Mitglieder des Klerus, von denen einer auch eine Reliquie besaß, die ihm am 5. Mai 1791 aus Rom geschickt wurde.

Am Ende des Korridors gelangt man in ein Arbeitszimmer mit Wandregalen aus dem 19. Jahrhundert, und durch dieses wiederum in den „Großen Saal“, in dem wichtige Feste und Feierlichkeiten stattfanden. Links neben dem Eingang befindet sich das Wohnzimmer, durch das man in ein Schlafzimmer gelangt. Interessant sind die fein gearbeiteten Geländer aus Eisen, die die Geschicklichkeit der Schmiede aus Fardella belegen, die in der ganzen Gegend gerühmt wurde.

Der Palast steht unter Denkmalschutz und soll restauriert werden.

Die Loggien

Das meist Craparizzo genannte Gebäude mit seiner charakteristischen Fassade, die in der gesamten Gemeinde einzigartig ist, ist das architektonische Aushängeschild des Orts. Ursprünglich war es wohl ein Wohngebäude, doch es wurde im Besitz der Familie De Donato zu einem Zweckbau umgewandelt, um dort Tiere zu halten. Den herrschaftlichen Ursprung verrät vor allem die besonders gestaltete Fassade, die sicher eine der interessantesten des Ortes ist.

Das Haus liegt zwischen der Via Pellegrino und der Via Cavour, wobei die Vorderseite auf letztere geht. Es ist aus lokalem Stein gebaut und hat im Erdgeschoß zwei Rundbogenportale, durch die man in die Räume für die Tiere gelangte. Im ersten Stock dagegen verlaufen vier Rundbögen auf achteckigen Säulen, die ursprünglich vielleicht bemalt waren. Die Bögen verlaufen nicht über die gesamte Fläche, sondern nur in der Mitte und auf der linken Seite, so dass man aufgrund dieser Asymmetrie vermutet, dass das Gebäude noch weiter nach links verlief. Aus mündlichen Quellen geht hervor, dass sich einst ein einziges Gebäude bis zur heutigen Via Coriolano erstreckte, während Mauerreste an der rechten Wand darauf hinweisen, dass dort wohl einst ein höheres Haus angebaut war.

Direkt unter den Rundbögen befinden sich charakteristische Konsolen, das Gesims ist in der für den Ort typischen, romanella genannten Weise gebaut. Fotografien oder Zeichnungen von dem Gebäude aus früherer Zeit existieren leider nicht, und so ist eine Rekonstruktion seiner Baugeschichte sehr schwierig.

Palazzo Costanza

Palazzo Costanza wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet und ist zusammen mit dem der De Salvo und dem Palazzo De Donato eines der ältesten Häuser von Fardella. Deren Besitzer haben mit ihrem Prestige, Reichtum und Kultur die Geschichte dieses kleinen Ortes beeinflusst.

Der Palazzo ist zur Zeit bewohnt und seine Innenräume wurden umgestaltet. Man kann lediglich den Innenhof, das monumentale Portal und die kleine Kapelle bewundern, die anfänglich der Muttergottes geweiht war und dann, vielleicht im Zuge der Restaurierungsarbeiten von 1937 und aufgrund einer Welle der Devotion im Volk, dem Seligen Domenico Lentini gewidmet wurde. Der Ruf der Heiligkeit dieses aus Lauria stammenden Kirchenvorstands (1770-1828) verbreitete sich im ganzen Gebiet, und in Fardella auch deshalb, weil sein Bruder Nicola, genannt Sansone, in dem Ort lebte. Die Kapelle hat zwei Eingänge, einen vom Hof und einen von der Hauptstraße, und liegt im rechten Teil des Hofs. Sie besitzt ein Dreipassbogenfenster, auf dessen Achse im Inneren ein Altar in lokalem Stein mit Bemalung steht, mit einer Nische darüber.

Das Gebäude erstreckt sich über die drei Seiten des Hofes und besteht aus einem Erdgeschoß, das als Lager oder Stall benutzt wurde, und aus einem ersten Stock, in dem sich das Leben seiner Bewohner abspielte. Dort lag auch, wie in den anderen Palazzi üblich, ein großer, auch Galerie genannter Saal für offizielle Empfänge.

Die Fassade ist bescheiden und besitzt als einziges charakteristisches architektonisches Element das Portal aus dem 18. Jahrhundert mit einem Pfeiler mit Kapitell aus lokalem Stein, dem Rundbogen darüber und dem Familienwappen im Scheitelstein. Im unteren Teil des Portals sieht man Spiralmuster, und an der Fassade hängt hoch oben eine kleine Glocke, die auch heute noch geläutet wird, wenn die Prozession vorbei kommt, um die Präsenz der kleinen Kapelle anzuzeigen.

Durch das Portal gelangt man in den Innenhof mit einer breiten Treppe, die sich auf halbem Weg in zwei teilt. Im Hof stehen zwei Pfeiler, die einst vielleicht eine feste oder abnehmbare Bedachung von der Hauptfassade in den Hof hinein trugen.

Die Innenräume wurden modernisiert, daher sind keine interessanten Elemente mehr vorhanden.

Casa Donato

Einen interessanten Ausblick, der einen heute noch die Vergangenheit erahnen lässt, hat man, wenn man von der Piazza E. Gianturco die Via Mario Pagano entlanggeht und bei der ersten Erweiterung der Straße nach links blickt. Man sieht sofort einen Bogengang, durch den man in einen kleinen, noch in seiner ursprünglichen Form erhaltenen Innenhof gelangt.

Casa Donato interno

Das Wohnhaus der Familie Donato zeigt Dank seines Erhaltungszustandes die Bautechnik von damals und lässt erkennen, mit wie viel Geschick die Ziegelsteine aufgebaut und die Details ausgearbeitet wurden. Das genaue Baujahr lässt sich nicht festlegen, doch geht es auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.

Der Rundbogen am Eingang besteht aus Ziegelsteinen und ruht auf einem Pfeiler mit Kapitell. Durch einen Raum mit niedrigem Gewölbe von unregelmäßiger Form, ebenfalls aus Ziegelsteinen, gelangt man in den Hof und kann die Fassade des Hauses bewundern.

Es hat zwei Ebenen, der Eingang liegt im ersten Stock, den man über eine an der Hauswand verlaufende Außentreppe erreicht. Diese steht auf einem Bogen, unter dem sich der Keller befindet. Interessant sind der Balkon und die mit Ziegelsteinen gerahmte Eingangstür mit einem kleinen, aber fein gearbeiteten Rand darum herum, ebenfalls aus Ziegel.

Das weitläufige Gebäude geht auf die Via Manin, wo die verputze Fassade einen Balkon mit leicht gebogenem Gesims aufweist, und auf die Via Crispi, wo man die Bautechnik eines Fensters mit Gesims betrachten kann, beide leider nicht im besten Erhaltungszustand.

Die Innenräume können nicht besucht werden. Sie haben nur geringfügige Veränderungen durchgemacht und haben heute noch Holzdecken.

Bottega Borea

Die Bottega Borea, bekannt auch als „Vitinos Laden“ ist ein kleines Gebäude auf dem zentralen Platz von Fardella und wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts von Giovanni Borea errichtet. 1930 funktionierte sein Sohn Vito das Erdgeschoß zu einem Laden um; dort verkaufte er Lebensmittel, Waschmittel und sogar Marsala und Wermut im Glas, wie in einer Bar.

Bottega Borea

Im ersten Stock lag ein kleiner Raum mit zwei Betten und einem Waschbecken, der vermietet wurde; die Besitzer hatten in der Nähe noch zwei weitere Häuser mit zwei Schlafzimmern, zwei Badezimmern und einer Art Restaurant für die Pensionsgäste.

Der Laden besteht aus einem einzigen Raum auf zwei Ebenen. Im Erdgeschoß ist neben dem Eingang eine weitere kleine Tür, hinter der in Stein gehauene Tröge standen, in denen man den Stockfisch einweichte, damit sein Geruch nicht das ganze Geschäft durchzog; die Außenwand hat ein kleines Lüftungsloch.

Der Treppenabsatz hat auf der unteren Ebene eine Zierleiste, genau wie die Gesimse der Fenster im ersten Stock und die des Daches, die jedoch beide andere Proportionen in der Anordnung der Stabornamente aufweisen. Das Dach ist ein ziegelgedecktes Spitzdach.

Die Fassade wurde zwischen 1935 und 1940 von einem gewissen Luigi Dionigi aus Chiaromonte bemalt und kann heute noch bestaunt werden. Es handelt sich um die einzige bemalte Hauswand im Ort, auf ihr sind Buckelverzierungen zu sehen, die sich zwischen Erdgeschoß und erstem Stock unterscheiden. Der Maler hatte wohl die das Florentiner Bossenwerk aus dem 15. Jahrhundert im Sinn, bei dem die Buckel von den unteren, für Lager und Diensträume genutzten Stockwerke zu den höheren hin kleiner und feiner gearbeitet wurden. So ist bei der Bottega die Bossenwerk-Bemalung im Erdgeschoß sehr groß und klobig und wird im ersten Stock kleiner und mit eckigen Bossen. Der Maler malte dabei auch die Schatten der Buckel, um sein Werk so realistisch wie möglich zu gestalten. Der Abschluss besteht aus einem ebenfalls gemalten Gesims mit Blumenmotiven.

Villa Costanza

Die Villa Costanza wurde 1914 gebaut, wie eine Inschrift über dem Eingangsportal bezeugt, und ist eines der wenigen Beispiele für einen Bau, bei dem eine enge Beziehung zwischen dem architektonischen Element und dem natürlichen Kontext besteht. Es ist der Bedarf nach weiten grünen Flächen, welcher ihre Lage an einem fast außerhalb des Dorfes gelegenen Ort bedingt, genau wie bei der Villa Guarino, in der nach dem damaligen, die Exotik liebenden Geschmack originelle und nicht lokale Bäume gepflanzt wurden. Und diese Elemente machen den Besuch des augenscheinlich bescheidenen Gebäudes nötig, das in einem Park von mehr als 12.000 qm liegt.

Die Anlage liegt in der Nähe des östlichen Ortseinganges, versteckt in dichter Vegetation, die absolute Ruhe und Reserviertheit garantierte und garantiert. Sie wurde auf Wunsch des Priesters Don Carmelo Costanza gebaut, der aus Amerika zurückgekehrt war und ein reiches Erbe mitbrachte. Von Generation zu Generation weitergegeben, wurde das Gebäude nicht sonderlich verändert und behielt sein ursprüngliches Aussehen und seine Schönheit.

Die Villa wurde ausschließlich als Wohnhaus genutzt und besteht aus einem Mittelteil mit Seitenflügeln, an den über einen Korridor, der auf einem kleinen Bogen ruht, später eine Küche angebaut wurde. Dieser Raum hat noch den ursprünglichen Fußboden aus Cotto und den Kamin. Auf einer Achse mit dem marmornen Eingangsportal befindet sich eine herrliche Veranda auf sechseckigem Grundriss mit farbigen Glasscheiben und hellblauen Wänden, die mit einer fein bemalten rosa Umrahmung abgesetzt sind. Vom Haupteingang gehen links und rechts Korridore ab, die zu den Zimmern führen.

In einem kleinen Raum befindet sich die Familienkapelle mit einem Marmoraltar, auf dem in der Mitte das Osterlamm abgebildet ist.

Zur Anlage gehören das Wächterhaus mit Ställen beim Nebeneingang im Osten und das Taubenhaus im Westen, das zwischen dichter Vegetation und einer Grotte steht. Die Außenwände sind verputzt und nicht mit architektonischen Elementen verziert.

Mit der Familie Costanza verbunden ist auch die kleine Kapelle im Friedhof der Gemeinde, die 1925 erbaut wurde und nun einsturzgefährdet ist. In ihr erkennt man eine Bemühung um architektonische Elemente. Die Vorderseite besteht aus zwei stilisierten sechseckigen Säulen, die Gesims und Tympanon tragen, während die Seitenwände Quadraturen aufweisen. Durch eine Eisentür gelangt man in einen rechteckigen Raum, in dem ein bogenförmiges Fenster aus farbigem Glas ein schönes Spiel der Farben und des Lichts garantiert.

Sant’Onofrio

Die landwirtschaftlichen Aktivitäten der Familie Costanza spielten sich dagegen im Gutshaus von Sant’Onofrio ab, das sie von den adeligen Giura aus Chiaromonte gekauft hatte.

Die Anlage ist heute versteckt hinter den monumentalen Zypressen, die sie umgeben und die man sofort erkennt, wenn man die Gemeindestraße von Francavilla sul Sinni nach Fardella befährt. Aus folgenden Teilen besteht der gesamte Gutshof: eine etwas höher gelegene kleine Kapelle, die heute einsturzgefährdet ist und nicht betreten werden kann; das „rote Haus“, in dem die Besitzer wohnten und dessen Portal eine Marmortafel mit einer Inschrift zum Wiederaufbau von 1923 trägt („Quinquaginta post annos hoc praedium recuperavit ac refecit Carmelus Costanza sacerdos A.D. MCMXXIII); das Lagerhaus für die Produkte, die erwirtschaftet wurden, das Wohnhaus der Bauern und der Stall.

Besonders interessant ist die Anordnung dieser fünf kleinen Gebäude auf dem großen Grundstück, umgeben von monumentalen Zypressen, die früher noch zahlreicher waren.

Das herausragende Element des Gutes ist die Kapelle von Sant’Onofrio, die heute im Gebüsch verborgen liegt. Der Legende nach wurde die Statue des Heiligen in einer Eiche gefunden, die heute noch steht. Die Kapelle war für die Gläubigen geöffnet und wurde von den Siedlern der Gegend besucht. Sie ist relativ klein, und obwohl sie heute aufgegeben wurde, kann man noch erkennen, mit welcher Feinheit ihre Formen gestaltet und wie farbenfroh ihre Wände innen und außen in Gelb, Hellblau und Rot bemalt waren. Die gelbe Fassade hat an den Ecken Wandpfeiler, die auf der Vorderseite ein Gesims tragen. Im nach innen gewölbten Tympanon ist ein rundes Element, das vielleicht einmal ein Fenster war und mit besonderer Mühe dekoriert wurde; über dem Gesims des Portals befindet sich eine Inschrift, die die Gründung des Kirchleins und die Weihe erwähnen, die Giovanni Di Giura 1900 vornahm („Sacellum hoc deo Onophrio dicatum aedificare curavit Joannes de Jura A.D. MCM“). Direkt darüber liegt ein gerahmtes Fenster. Die seitlichen Außenwände haben keine architektonischen Elemente; sie sind aus dem lokalen Naturstein und fügen sich perfekt in die Landschaft ein.

Cappella Sant-Onofrio

Im Inneren, das aus einem einzigen Kirchenschiff besteht, findet man einen Altar mit einem großen Blumenrelief in der Mitte und einer Nische darüber, die von außen als eine Art rechteckige Apsis hervorgehoben wird. Darüber befinden sich drei Engel. Rund herum verläuft im ganzen Raum ein blaues Gebälk und schließt mit Lisenen über dem Altar ab.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch der kleine Glockenturm auf zwei Ebenen mit Bogenöffnungen.