Der in Fardella gesprochene Dialekt: Isolierung und Archaismus

von Fabio Appella

Der in Fardella gesprochene Dialekt gehört linguistisch zur Lausberg-Zone, wie das Gebiet in Anlehnung an den deutschen Linguistiker Heinrich Lausberg heißt, der Die Mundarten Südlukaniens schrieb. Dieses Gebiet erstreckt sich in Südlukanien und Nordkalabrien, in etwa zwischen dem Golf von Policastro und dem von Taranto, und zwischen den Flüssen Agri und Coscile. Es handelt sich um einen typischen Fall von linguistischem Archaismus, der auf eine lang anhaltende geografische und kulturelle Isolation zurückgeht.

Fardella mappa dialetto

Die Lausberg-Zone versammelt eine Gruppe von romanischen Mundarten, die untereinander sehr verschieden sind. Diese Gruppe kann in zwei Untergebiete aufgeteilt werden, die Lausberg 1939 Mittelzone und Zwischenzone nannte. Die Mittelzone, für uns die interessantere, weil Fardella zu ihr gehört, ist die archaischere der beiden; ihre Grenzen verlaufen in etwa auf der Linie von Acquafredda auf Seiten des Thyrrenischen Meeres zur Mündung des Agri und des Sinni in das Ionische Meer, durch Castelluccio Superiore, San Severino, Francavilla sul Sinni, Senise, Colobraro und Tursi. Sie beinhaltet neben Fardella auch: Nova Siri, Valsinni, San Giorgio Lucano, Noepoli, Cersosimo, Teana, Calvera, Carbone, Episcopia, alle mehr oder weniger im Becken des Sinni und seiner Zuflüsse Sarmento und Serapotamo gelegen. Doch die für diese Zone typische Dialektsituation findet sich auch in Orten, die weiter nördlich liegen, bis zum Fluss Agri, wie San Chirico Raparo, Castelsaraceno und noch weiter, wie Aliano, eine isolierte Enklave nördlich des Flusses, in einer besonderen Gegend, die einen Vokalbestand des rumänischen Typs hat. In Richtung Süden reicht die Zone bis zur Grenze zwischen den Regionen Lukanien und Kalabrien und überschreitet sie bisweilen sogar, zum Beispiel im Fall einiger Orte in der Provinz Cosenza. Eine südliche Grenze der Mittelzone festzulegen ist äußerst schwierig, denn dort sind die Dialekteigenarten, die als Parameter verwendet wurden, sehr artenreich und unregelmäßig verteilt.

Das Vokalsystem der italienischen Sprache ist wie alle anderen romanischen Sprachen aus der Entwicklung des lateinischen Vokalsystems entstanden. Im Lateinischen gab es zehn Vokale, fünf lange und fünf kurze, doch die „Quantität“ der lateinischen Vokale wurde irgendwann nicht mehr bemerkt und verlor ihre Bedeutung. Stattdessen war die „Qualität“ wichtig: die Sprecher sprachen die langen Vokale wie geschlossene aus und die kurzen wie offene. Beim Italienischen führte die Transformation des lateinischen Vokalsystems zu einem System mit sieben Vokalen, das sich von anderen romanischen Sprachen wie dem Französischen oder Spanischen unterscheidet, aber auch von bestimmten italienischen Mundarten. Das sardinische System, als Vokalsystem der Dialekte der Mittelzone und somit auch des in Fardella gesprochenen Dialekts, ist ein System mit fünf Vokalen, in dem also jedem lateinischen kurzen und langen Vokal nur ein Vokal entspricht.

Die Mittelzone ist damit von einem archaischen Vokalismus des „sardischen“ Typs gekennzeichnet, mit einem allgemeinen Ausgleich (in konditionierter Position) der langen Vokale mit den am gleichen Ort erzeugten kurzen, bei Beibehaltung des Timbres (wobei die mittleren Stellungen /e/, /o/ meist offen artikuliert werden). Dieses System findet man heute in Italien nur in Sardinien und in der Mittelzone.

Das Wesen und der Ursprung des Tonvokalismus in drei Graden in den Dialekten des Grenzgebietes zwischen Lukanien und Kalabrien ist der Aspekt, der am stärksten die Aufmerksamkeit bedeutender Linguisten erregte. Zum ersten Mal wurde er von Lausberg im Jahr 1936 erwähnt. Die Hypothese, dass diese Vokalsysteme archaische Bedingungen widerspiegelten, die man mit denen in Sardinien vergleichen konnte, also nicht von der timbrischen Unterscheidung erreicht wurden, die das System des klassischen Lateins durchgemacht hatte, wurde 1966 von Rohlfs aufgestellt und 1974 von Devoto aufgenommen.

Lausberg (1939) verwendete die Daten aus der Literatur zum Thema und vor allem die Daten aus dem Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz und katalogisierte den Vokalismus der Gegenden rund um die Mittelzone in verschiedene Typen. Auch wenn viele Aspekte dieser Einteilung inzwischen überholt sind, bleibt die Entdeckung einer Zone mit Vokalismus vom sardinischen Typ, die zwischen der Zone des allgemeinen romanischen Vokalismus im Norden und des sizilianischen Typs im Süden liegt, doch fundamental.

Doch warum fand in der Lausberg-Zone eine Isolierung statt? Dies hier ist sicher nicht der Ort, um eine Frage im Detail anzugehen, die heute immer noch offen und ungelöst bleibt. Doch es ist es wert, ein wenig mehr dazu zu erfahren. Nach Bartoli „bewahrt die isoliertere Gegend linguistisch gesehen meist die vorangegangene Phase“. Wenn Isolierung Archaismus bringt, so Varvaro, wäre es jedoch absolut nicht richtig, dass eine solche Isolierung vor allem aufgrund objektiver Umstände geschieht, also aus äußeren Gründen, geografischen (natürliche Barrieren), historischen (fehlende oder schwache Kommunikation, politische, administrative, religiöse Grenzen usw.) und wirtschaftlichen (Armut, geschlossene Naturalwirtschaftskreise usw.). Denn solche äußeren Umstände können sich, auf lange Zeit gesehen, radikal ändern. Die Frage ist also: ist es eine objektive Isolierung oder eine subjektive? Oder, um es anders auszudrücken, eine von äußeren Umständen aufgezwungene oder eine von einer klaren Haltung der Sprecher beschlossene Isolierung? In Wirklichkeit ist diese Frage mitnichten einfach zu klären. Es gibt gute Gründe sowohl für die eine als auch für die andere These. Und nicht wir müssen dieses Dilemma lösen. Überlassen wir diese Aufgabe lieber den Wissenschaftlern. Hier ist es nur wichtig, zu wissen, dass der in Fardella gesprochene Dialekt, wie alle der Zone, die wir betrachtet haben, immer noch Gegenstand bedeutender und in Entwicklung befindlicher Studien ist.

Heute, so soll zum Schluss noch betont werden, hat sich die Fardelleser Mundart im Vergleich zur Vergangenheit stark verändert und wird dies weiterhin tun. Vielleicht gibt es nichts, das so wandelbar und in ständiger Bewegung ist wie die Sprache. Es handelt sich um eine langsame Metamorphose, die man in dem Moment, in dem sie stattfindet, gar nicht bemerkt. Und doch ist sie real und beständig. Wenn man aufmerksam zuhört, wie die Jugendlichen sprechen, und es mit der Art der Älteren vergleicht, bemerkt man, wie viel sich verändert hat, sowohl in der Morphologie als auch im Wortschatz. Viele Wörter sind beinahe verschwunden, und viele werden noch verschwinden; andere dagegen tauchen erst jetzt im Alltag auf. Einige werden nicht mehr so ausgesprochen wie in der Vergangenheit. Und all dies ist ohne Zweifel dem Einfluss anderer Mundarten geschuldet. Man braucht nur an den starken Einfluss der Medien und vor allem des Fernsehens zu denken. Und vergessen wir nicht, dass ein bedeutender Prozentsatz unserer Jugendlichen zur Universität geht und so gezwungen ist, an anderen Orten zu leben. Sie nehmen dort nicht nur die andere Lebensart an, sondern auch Ausdrücke, Tonfall und Begriffe, die der in Fardella gesprochene Dialekt nicht kennt. All dies beeinflusst unsere Mundart und verändert sie Tag für Tag.