Fardella: Ausflüge

von Manuela Coringrato

Wenn man über Fardella spricht, geht es immer und vor allem auch um seine Naturschönheiten, denn der Ort wurde nicht zufällig, sondern mit voller Berechtigung in das Naturschutzgebiet Parco Nazionale del Pollino aufgenommen. Es gibt eine ganze Reihe von einsamen Wanderwegen, auf denen man im Sommer die herrlichsten Sonnenuntergänge erlebt, zwischen Hügeln aus rotem Sand, unter schweigsamen Eichen und Edelkastanien, Jahrhunderte alten Olivenbäumen und fein gerankten Weinreben, zwischen versteckten erlesenen Pilzen, unter einzeln stehenden Maulbeerbäumen, die man bis vor einiger Zeit noch für die Seidenraupenzucht brauchte.

Im Grünen

Fardella mappa Tra il verde

Percorso Arancio (orange markierter Wanderweg)
Wenn man auf der Strada della Racia fährt und in der Nähe von Calvario hält, kann man das gesamte Tal und das Flussbett des Sinni bewundern, der gemütlich und anmutig Richtung Staudamm von Monte Cotugno fließt; man fährt noch ein Stück weiter und kommt wenig später zur Kapelle der Madonna del Rosario aus dem 20. Jahrhundert, die vom Erdbeben von 1980 zerstört wurde und heute restauriert wird. Von hier hat man einen herrlichen Ausblick auf den darunter liegenden Ort.

Über kleine, versteckte Trampelpfade und Schotterwege gelangt man in das grüne Herz des Gemeindegebietes: in die Zone Querce; in die Manche, in denen wertvolle Kastanienbäume wachsen, deren Holz für die Handwerker und ihre Produkte von Bedeutung ist; aus deren Blüten die Bienen ihren gutschmeckenden Honig produzieren; aus deren Früchten Feinschmecker Marmeladen machen und früher Brot; zur Serra Cerrosa, dem höchsten Punkt der Gegend, wo eine kleine Straße durchs Grün verläuft und an einigen Punkten Ausblicke auf das unter dem Steilhang liegende Tal gewährt. An allen Stellen, an denen der Weg sich erweitert und kleine natürliche Plätze formt, entstanden ideale Startplätze für alle, die Gleitschirm- und Flugdrachensport ausüben. Von hier aus geht es weiter zum Belvedere, dem besten Aussichtspunkt von allen, von dem aus man das gesamte Sinnital überblickt, den Monte Pollino, die für die Bergflanken typischen Lehmpyramiden und die abschüssigen und fast unerreichbaren, timpe genannten Verwerfungen, wie die Timpa Beato Giovanni oder die von Mandalipane (nach der Frau, die der Legende nach von ihr stürzte, auch Timpa Chiarastella genannt). All diese geologischen Elemente schaffen eine Landschaft, die stark an Gegenden an der Ostseite des Mittelmeers erinnern. An besonders klaren Tagen kann man von den Serre sogar den Golf von Taranto und den Staudamm von Monte Cotugno erkennen, den größten aus aufgeschütteter Erde in ganz Europa.

Percorso Rosso (rot markierter Wanderweg)
Ausgehend vom Ort nimmt man die Strada Statale 104 in Richtung Episcopia. Nachdem man den Parco Barbattavio hinter sich gelassen hat, sieht man den kleinen Fluss Cannalia, der über kleine Überläufe in einen künstliches Becken fließt; weiter geht es auf einem Weg, der durch dichtes Grün führt, bis nach Acqua Fredda. Dort kann man Picknick machen und guten lokalen Wein probieren oder Wasser direkt aus der Quelle, und friselle essen, eine Art Knäckebrotringe mit frischen Tomaten darauf. Wer einen Ort im Grünen bestaunen möchte, der noch ursprüngliche bäuerliche Gebäude mit besonderen Strukturen und Einrichtungen besitzt, kann auf der Schotterstraße von Acqua Fredda bis zum Gutshof Masseria del Barone gelangen, der etwas weiter oben liegt. Von Acqua Fredda fährt man weiter bis Carrosa, lässt diese Contrada hinter sich und gelangt an die Kreuzung mit der Panoramastraße zur Serra Cerrosa und zum Belvedere; man fährt aber weiter auf der Strada Statale 104 und kommt entlang einer gewundenen Straße, die die Serre genannten Abhänge durchquert, zu den berühmten gironi, den Panorama-Spitzkehren, von denen man auf Episcopia, Agromonte und das Flussbett des Sinni blickt, der heute nur ein Bach ist, doch einst, wie aus Quellen hervorgeht, mit Booten befahren wurde.

Die Wege des Wassers

Fardella mappa Le vie dell'acqua

Der Boden, der früher reich an Wasser, sumpfig und feucht war, ermöglichte den Bau von unzähligen Brunnen, die wegen ihrer Formen und Positionen Beachtung verdienen, und von Wassermühlen, die am Bach Cannalia lagen (bei Querce, Piano Mulino). Von letzteren ist jedoch leider nichts erhalten geblieben, jedenfalls nicht in ursprünglicher Form.

Die Brunnen, die auf dem ganzen Gebiet verstreut und oft mitten im Grünen liegen, zeigen verschiedene Typologien: solche, bei denen man Trinkwasser holte, solche, wo Wäsche gewaschen wurde, im Dorf oder außerhalb gelegene.

Die im Ort gelegenen Trinkwasserbrunnen (die leider nicht alle funktionieren), wie zum Beispiel der Brunnen der Delia oder der Mascherone, sind aufgrund ihrer Form charakteristisch. Der zuerst genannte ist anderen ähnlich, die an mehreren Orten im Dorf stehen. Er ist aus Eisen und hat die Form einer von einem wasserspeienden Löwenkopf gekrönten Büste. Der zweite dagegen ist eine Skulptur, bei der sich rechts neben einer kleinen Nische, in der einmal vielleicht einst ein heiliges oder auch profanes Bild hing, eine Maske befindet, ähnlich denen der griechischen Tragödien. Aus dieser Maske kam das Wasser.

Die Brunnen, in denen auch die Wäsche gewaschen wurde, bestehen aus großen Wannen mit Waschbrettern; einen davon findet man am Largo Fontana im Ort, doch der funktioniert leider nicht mehr. Ein anderer liegt ein wenig außerhalb des Dorfes: die Fontana Don Francesco. Dieser Brunnen wurde 1866 gebaut, wie aus einer Wandtafel hervorgeht, und wird heute noch benutzt. Hier gibt es auch noch einen weiteren kleinen, trockengelegten Brunnen, der aus einem Stein gehauen scheint und ebenfalls ein Gesicht zeigt. Rund um den Brunnen liegt ein Rastplatz mit Tischen und Stühlen, an dem man an heißen Sommerabenden gerne gemeinsam zu Abend isst.

Wenn es um Trinkwasser geht, dann hat in der ganzen Gegend der Brunnen von Acqua Fredda den größten Erfolg. Viele füllen sein Wasser in Flaschen, denn es ist für seine Reinheit und Frische bekannt. Auch dieser Ort ist wegen der mit Grills und Rastplätzen ausgestatteten Grünfläche ein idealer Ort für ein Essen im Grünen.

Fontana Fardella

Brunnen, die wegen der besonderen diuretischen Eigenschaften ihres Wassers genannt werden, sind Acqua Delica und Fontana della Nocella. Ersterer liegt in der Nähe des Brunnens Don Francesco, der andere mit seiner Viehtränke in der Zona della Nocella; beide sind nicht so leicht erreichbar und wurden und werden vor allem von jenen genutzt, die in ihrer Umgebung den Boden bestellen.

Das Wasser des Bachs Cannalia läuft in kleinen Überfällen in ein Laghetto genanntes künstliches Becken, das von einer Mauer abgeschlossen wird. Über diese Mauer ergießt sich, wenn genug Wasser vorhanden ist, ein kleiner Wasserfall, unter dem sich die Kinder im Sommer gerne erfrischen. Die Landschaft hier ist schön und suggestiv, mit ihren Brunnen, Statuen, Wanderwegen, Jägerzäunen, Stegen, Tischen und Stühlen – ein herrlicher Platz mitten im Grünen.

Laghetto dettaglio